Bruchstücke... erstarrtes Lot
1998/99

für
Ensemble
 
 

“BRUCHSTÜCKE... ERSTARRTES LOT” setzt sich zentral mit dem formalen Aspekt der Brüchigkeit auseinander. Brüchigkeit, resultierend aus der “Erstarrung” der strukturellen Achsen, die gerade durch die Erstarrung anfällig - zerbrechlich, instabil - werden.

Einige weitere Gedanken zu diesem Stück:

- Zentren ohne Fixpunkt, einer Auflösung unterworfen, divergierende Tendenz aller Elemente
- Zeitgefüge - Momente - für sich stehend, auf nichts verweisend als sich selbst - atmend
- verzweigte Spuren, sich vielfach auflösend
  - Farbübergänge
- Bruchstücke, losgelöst,
  Zusammenhänge; verlorene Fäden - erneut gefunden.
  Perspektiven unterschiedlicher Zeiten.
- Autonomie der verschiedenen Formteile
- Wege  - Fragmente - veränderte Räume
- erstarrtes Lot - Distanzen: Entfernungen - Nähe
 

Folgende Zeilen von Mallarmé seien assoziativ zu diesem Stück zu verstehen:
 

      UNE CONSTELLATION

        froide d’oubli et de désuétude
                   pas tant
          quelle n’énumère
            sur quelque surface vacante et supérieure
       le heurt successif
                    sidéralement
            d’un compte total en formation

     veillant
  doutant
        roulant
        brillant et méditant

                       avant de s’arrêter
           à quelque point dernier qui le sacre

            Toute Pensée émet un Coup des Dés
 

(Stéphane Mallarmé)
 
 
 
 

      EINE KONSTELLATION

   kalt in Vergessen und Entfremdung
              und dennoch
          offenbarend
       auf leerer erhabener Fläche
     in aufblitzender Folge
               sternbildhaft
     die Summe der allumfassenden Zahl

     wachsam
  zögernd
        kreisend
         strahlend und nachdenklich

                   vor dem Stillstand
       an einem letzten Punkt

        Jeder Gedanke wagt einen Würfelwurf
 
 

(Übersetzung: C. Fischer)